Grundfrage: Wie haben Menschen Gott erfahren? Wir untersuchen die Aussagen der Bibel unter dieser Grundfrage. Dort wird ein lebendiger Gott vorgestellt. 1.) Gott im ATZwei Grunderfahrungen durchziehen das AT:
ReligionsgeschichtlichBem. 1: Die erste Vorstellung ist historisch älter, was sich z.B. an der Bedeutung der jüdischen Feste erkennen lässt. Es erfolgt eine Verschiebung vom Naturbezug zum Geschichtsbezug: z. B. ist das Paschafest ursprünglich ein Frühlings-Hirtenfest für die neugeborenen Lämmer und wird dann umgedeutet zur Erinnerung an den Auszug aus Ägypten. Bem. 2: Der strikte Monotheismus hat sich erst zu einem späteren Zeitpunkt (nach dem Exil) durchgesetzt. In den alten Texten findet sich das Verständnis vom "Gott Abrahams" als Stammesgott, der sich um die Sippe kümmert - so wie sich andere Götter um andere Sippen kümmern - oder zur Zeit Davids als Nationalgott, der für das Volk Israel gegen die Götter andere Völker kämpft. Dazu kommen eine Fülle weitere Erfahrungen:·
In der Offenbarung des
Gottesnamens (den Juden ist das Aussprechen verboten) wird deutlich (in Ex
3, 3 ff: Brennender Dornbusch): Gott
wendet sich den Menschen zu, ist für sie da: JAHWE
= ICH-BIN-DER-ICH-BIN / ICH-BIN-DA. · Gott ist einzig: ·
Dtn 6,4 „Höre Israel! Der Herr unser Gott, der Herr ist
einzig“ (das Sch’ma Israel) · Gott ist ewig: · Ps 90: „Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit ... Unser Leben währet 70 Jahre“ · Gott ist allwissend: · Ps 139: „Du bist vertraut mit all’ meinen Wegen“ · Gott ist weise: · Sir 1,1ff: „Alle Weisheit stammt vom Herrn und ewig ist sie bei ihm“ · Gott ist gütig: · Ps 145: „Der Herr ist gnädig und barmherzig, langmütig und reich an Gnade ...“ · Gott rettet und befreit: ·
Ex 14: Rettung am Schilfmeer; · Ex 20,2: „Ich bin Jahwe, dein Gott, der Dich aus Ägypten geführt hat“; · Esra 1: Rettung aus babylon. Gefangenschaft; · Ps 30: Rettung aus Todesnot; · Gott hilft in jeder Not: ·
Ps 23: „... ich fürchte kein Unheil, denn Du bist bei mir“ · Gott beschützt: · Tob 5-12: Rafael beschützt Tobit und Tobias; · Ps 34 u. 91: Unter Gottes Schutz; · Dan 3: 3 Jünglinge im Feuerofen; · Dan 6: Daniel in der Löwengrube; · Dan 13: Daniel und Susanna · Gott schließt mit Menschen einen Bund: · Gen 9: Noah – Bundeszeichen: Regenbogen ·
Gen 15 u. 17: Abraham: Nachkommen, Land – Bundeszeichen:
Beschneidung ·
Ex 24: Mose: 10 Gebote – Bundeszeichen: Steintafeln · Hos 2,18ff: „Ich traue dich mir an auf ewig ...“; ·
Gott ist die Liebe: ·
Hos 11,1-11: „Als Israel jung war, gewann ich es lieb“; ·
Hoheslied · Gott ist auf der Seite der Unterdrückten – gegen Ausbeutung: · Lev 25: Das Sabbat- und Jubeljahr; · Dtn 14.28ff: Ein Zehnt für die Armen in jedem siebten Jahr; · Dtn 23, 17-22: Rücksicht auf Fremden, Waisen und Witwen; · 1 Kön 21: Nabots Weinberg; ·
Am 2,6ff; 6; 8: gegen Ausbeutung, gegen die leichtlebige
Oberschicht; · Mi 2: Gegen die Habsucht der Reichen; · Gott ist Herr über Leben und Tod: · 2. Kön 4, 8ff: Elischa erweckt totes Mädchen; · Ez 37: Vision von der Auferweckung Israel; · Gott ist Gesetzgeber: ·
Ex 20 bzw. Dtn 5: 10 Gebote · Gott fordert: ·
Dtn 6,5: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem
Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft“; · Dtn 6,24: „Der Herr hat uns verpflichtet, alle diese Gesetze zu halten“ · Gott überfordert nicht: · Dtn 30,11-14: „Dieses Gebot ... geht nicht über deine Kraft“ · Gott schafft Recht: · Ex 23,1ff: Verbot der Rechtsbeugung; · Ps 94: Anwalt der Gerechten; · Am 5,7ff: „Weh denen, die das Recht in bitteren Wermut verwandeln“; · Gott als Richter: · Ps 75: Gott als Richter; · Jes 24: Die Ankündigung des Weltgerichts; · Joel 2: Der Tag des Herrn; · Mal 3,18ff: Tag des Gerichts; · Gott als strafender Richter: · Gen 3: Vertreibung aus dem Garten Eden; · Gen 4: Verbannung Kains; · Gen 6ff: Noah und die Sintflut; · Gen 11: Turmbau zu Babel; · Gen 19: Strafgericht über Sodom und Gomorra; · Ex 7ff: Ägyptische Plagen; · 2. Sam 12: Strafe für David wg. Batseba; · 2. Kön 17: Eroberung Samarias; · 2. Chr 36,17-21: Eroberung Judas, Zerstörung des Tempels, Babylon. Gefangenschaft; · Dan 5: Das Gastmahl Belschazzars; · Gott verzeiht: · Ex 33,7ff: Erneuerung des Mose-Bundes nach dem „Goldenen Kalb“; · Lev 16: Der Versöhnungstag; · Num 14,18-20: Das Volk murrt – Mose bitte um Verzeihung; · Ps 25 u. 32: Bitte um und Freude über Vergebung; · Jona 3: Gott verschont Ninive; · Gott ist unverfügbar: ·
Bilderverbot (Ex 20,4) und Namensverbot · Gott ist der ganz Andere - Gottesbegegnungen: · Gen 18: Gott zu Gast bei Abraham: „3 Männer“; · Gen 28,10-22: Jakob und die Himmelsleiter; · Gen 32, 23-32: Jakobs Kampf mit Gott; ·
Ex 3: Mose beim Dornbusch; ·
Ex 19 u. 24: Mose auf dem Berg; · Ex 33,18-23: Mose sieht Gottes Rücken; · Dtn 30,14f: Moses, Josua – Wolkensäule; ·
1 Kön 19,1-13a Elija am Horeb: „sanftes, leises Säuseln; · Ez 1,4ff: Gestalt auf dem Thron · Gott ist der Unverständliche: ·
Gen 22,1-19: Abrahams Opfer · Gott und das Leid: · Ijob: Ijob hadert mit Gott; · Ijob 38ff: Gottes Antwort: Gottes Größe, Weisheit und Macht · Gott schafft ein Friedensreich: · Jes 2: Messianisches Friedensreich: „Dann schmieden sie Pflugscharen aus ihren Schwertern“; Jes 9: Verheißung Messias als Friedensbringer; · Jes 11: Messianisches Reich: „dann wohnt der Wolf beim Lamm ...“; · Jes 35: Messianisches Heil: „dann werden die Augen der Blinden geöffnet ...“; · Jes 42;49;50;53: Lieder vom Gottesknecht; · Jes 65,17ff: „ich erschaffe einen neuen Himmel und eine neue Erde ...“; · Dan 7: Daniels Vision vom Menschensohn; · Joel 3: Ausgießung des Geistes; · Sach 9,9ff: Der kommende Friedenskönig: „er ist demütig und reitet auf einem Esel ...“ 2.) Gott im NTHier zeigt sich Gott in seinem Sohn Jesus Christus (Jesus, hebr. Joschua: Jahwe schenkt Heil): Das Zentralereignis ist der Tod und die Auferstehung Jesu. Es ist der unüberbietbare Höhepunkt der Geschichte Gottes mit den Menschen. ·
Gott und Jesus sind eins: Joh 14,9: „Wer mich gesehen
hat, hat den Vater gesehen.“; Phil 2,6-11: „Er war Gott gleich ... Jesus
Christus ist der Herr“; Mt 1,17: Taufe Jesu, „Dies ist mein geliebter
Sohn“; · Gott ist unser Vater: Mt 6,9ff: „Abba“ ist die vertrauensvolle Anrede im „Vater Unser“ · Gott verheißt das Reich Gottes: Jesus verkündet den Beginn der Gottesherrschaft, z. B. Mt 13,31ff: Gleichnis vom Senfkorn · Gott ist Liebe: 1 Joh 4,7-21: „Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott“, Gottes- und Nächstenliebe untrennbar · Gott ist Erlöser: „Christus hat die Welt durch seinen Tod erlöst.“ · Gott schenkt einen neuen Bund: Lk 22,14-20: beim letzten Abendmahl, „Der Kelch des neuen Bundes“ · Gott sorgt für uns: Mt 14,13ff: Speisung der 5000; · Gott ist barmherzig: Lk 15,11ff: „Gleichnis vom barmherzigen Vater“ · Gott vergibt: Lk 7,36ff: Jesus und die Sünderin · Gott ist auf der Seite der Unterdrückten: Mt 5,3ff: Seligpreisungen, „Selig, die arm sind vor Gott ...“; Mt 9,9f: Mahl mit Sündern und Zöllnern · Gott schenkt Heil: Heilungen und Sündenvergebungen Jesu, z. B. Mt 8f: Heilung eines Aussätzigen, der Schwiegermutter des Petrus, eines Besessenen, eines Gelähmten, zwei Blinden, eines Stummen ... · Gott ist Herr über Leben und Tod: Mt 9,18ff: Auferweckung der Tochter des Jairus; Joh 11,17ff: Auferweckung des Lazarus; Mt 28,1ff: Auferweckung Jesu · Gott ist Herr der ganzen Welt: Mt 28,18ff: Missionsbefehl „Geht zu allen Völkern und tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes ...“; Joh 4,1ff: Gespräch Jesu mit Samaritanerin; Apg 13ff: Paulus missioniert viele Länder; · Gottes Proexistenz: Er lebte (und starb) für uns, für die Armen, für Sünder, ... · Gott ist Mitleidender: die christliche Antwort auf die Theodizeefrage: Jesus leidet am Kreuz ·
Gott sendet seinen Geist: Apg 2,1ff: Pfingstereignis ·
Gott ist dreieinig: Apg 7,55f: Steinigung des Stephanus: „Ich sehe den Himmel
offen und den Menschensohn zur rechten Gottes sitzen“; Gal 4,4-7: „sandte
Gott seinen Sohn ... sandte Gutt den Geist seines Sohnes“; · Gott ist Herr über die Natur: Mt 14,22ff: Gang Jesu auf dem Wasser; Mk 4,35ff: Der Seesturm; · Gott ist Gesetzgeber: Mt 5f: Bergpredigt: „Ich aber sage euch ...“ – Jesus stellt den Sinn der Gesetze wieder her; · Gott ist Richter: Mt 25, 31-46: Gerichtsrede (kein „lieber Gott“ im Sinn von harmlos, machtlos); Röm 8,31-39: „Jesus sitzt zur rechten Gottes und tritt für uns ein“ · Gott vollendet: Mt 24f: Rede über die Endzeit; 1 Kor 15,20-28: „in Christus werden alle lebendig gemacht ... danach kommt das Ende“ · Gott ist „erschreckend“: Lk 1,5ff: Johannes Geburtsverkündigung, „Zacharias erschrak“; Lk 1,26ff: Jesu Geburtsverkündigung, „Sie erschrak“; Lk 2,1ff: Geburtsgeschichte, „Die Hirten fürchteten sich sehr“; Lk 9,28ff: Verklärung, „Die Jünger bekamen Angst“; Mk 11,15ff: Tempelreinigung; ;Mk 16,1-8: Ostergeschichte „Schrecken und Entsetzen hatte sie gepackt“; Nach seiner Himmelfahrt verspricht er den Hl. Geist als Beistand und Kraftquelle. Von ihm heißt es schon im AT: „Im Anfang ... schwebt Gottes Geist über dem Wasser“ (Gen 1,2). Auf den dreieinigen Gott (Trinität) erfolgt die Taufe: „Geht zu allen Völkern und tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Hl. Geistes.“ (Mt 28,19) Zwei Grundmuster religiöser WahrnehmungIn allen Gotteserfahrungen gibt es zwei Grundmuster religiöser Wahrnehmung:
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Last Update: 01.12.03
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