Kritik der Religionskritik
 
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Kritische Würdigung: Von Feuerbach bis Sartre

Haupteinwand gegen den Atheismus von Feuerbach bis Sartre:

Der Atheismus - also die Nichtexistenz Gottes - wird nicht bewiesen. Der Atheismus ist Ausgangspunkt ihrer Überlegungen, sie setzen ihn schlichtweg voraus.

Dazu kommt bei allen:

Sie erklären - unter der Voraussetzung, dass es keinen Gott gibt -, wie und warum die Religion entstanden ist. Damit ist aber keine Aussage über die Existenz oder Nichtexistenz Gottes getroffen.
Tolstoi: "Wenn die Eingeborenen aufhören, an einen hölzernen Gott zu glauben, so heißt das nicht, dass es keinen Gott gibt, sondern nur, dass er nicht aus Holz ist."

1. Feuerbach:

Die Entstehung der Religion wird psychologisch begründet: Abhängigkeitsgefühl / Wunsch / Glückseligkeitstrieb. Damit ist die Religion ein Produkt des menschlichen Egoismus. Mit Hilfe der Einbildungskraft erscheinen die Wünsche als reales Wesen: Gott.
Diese Erkenntnis, dass das Abhängigkeitsgefühl und Wünsche bei der Entstehung der Religion mitbeteiligt ist, kann positiv gewürdigt werden. Aber es kann auch einen Grund für diese Wünsche und das Abhängigkeitsgefühl geben: die reale Existenz Gottes.
Auch ein logischer Fehler ist zu entdecken: Zum Beispiel besagt der Wunsch nach einem Eis nichts über dessen (Nicht-)Existenz aus.
Ein weiteres Problem stellt die Doppelaussage dar: Gott ist der Gegensatz oder die Verlängerung des Menschen. Ja was denn nun?
Außerdem beinhaltet der christliche Glaube nicht nur Eigenschaften, die aus Wünschen des Menschen erklärt werden können (Gott ist Richter: mysterium tremendum).
Das Bilder- und Namensverbot im jüdischen Glauben versucht gerade die Vereinnahmung Gottes durch den Menschen zu verhindern. Weitere Kritikpunkt: F. verwendet einen unkritischen Religionsbegriff, er beachtet nicht die Vielfalt der Religion, er kritisiert letztlich nur eine Sondererscheinung des Christentums.
Positiv ist zu würdigen, dass er die in die Anthropomorphismen - die Vermenschlichungen Gottes - zu Recht kritisiert.

2. Marx:

Die Entstehung der Religion wird soziologisch begründet. Auch dieser Ansatz ist positiv zu würdigen. Aber damit ergibt sich nicht notwendig die Folgerung, dass Religion Opium des Volkes sei. Damit trifft Marx mit seiner Kritik nur eine Fehlform der Religion. Positiv: zu oft war die Religion im Dienst der herrschenden Klasse. Dagegen kämpft z. B. heute die "Theologie der Befreiung" in Lateinamerika. Religion kann nicht auf die Formel "Rette deine Seele" reduziert werden sondern muss sich auch um soziale Belange kümmern! Der Marxsche Opiums-Vorwurf kann somit als Ansporn an das Christentum verstanden werden: Das Christentum protestiert gegen jede Form der Ausbeutung und Verelendung.
Weitere Kritikpunkt: Wie F. verwendet Marx einen unkritischen Religionsbegriff, er beachtet nicht die Vielfalt der Religion, er kritisiert letztlich nur eine Sondererscheinung des Christentums. Er unterscheidet ebenso wenig zwischen Kirche und Religion.

3. Freud:

"Religion als universelle Zwangsneurose" und "Totem und Tabu" entbehren jeder Kritik;

Atheismus ist Ausgangspunkt der Überlegungen und keine logische Folgerung; somit ist wieder einmal für die Frage nach der Existenz Gottes nichts gewonnen.

Indem Freud alles auf frühkindliche Störungen zurückführt, hat er es nicht nötig, rationale Argumente gegen die Existenz Gottes vorzubringen.

Wenn Freud den Wunschcharakter der Religion betont, so hat er nur z. T. recht, da vieles nicht als Wunsch interpretiert werden kann (Gott als strafender Richter; Theodizee)

Außerdem ist mit dem Nachweis, etwas sei wünschenswert, nichts über dessen (Nicht-) Existenz ausgesagt.

positiv: Es gibt einen Zusammenhang zwischen Psychologie und Religion (z.B. tiefenpsychologische Schriftauslegungen von Drewermann).

positiv: Zu oft besteht die Gefahr, Religion und Gott unseren Wünschen unterzuordnen: „Gott soll jetzt eingreifen und mir helfen ...“

4. Nietzsche:

Positiv: Nietzsche erkennt - als einziger der hier angeführten Atheisten- die Konsequenz des Atheismus: Der Verlust aller Werte - Nihilismus . Damit stellt er aber auch positiv eine Funktion der Religion heraus: die Begründung der Werte und Normen. Aber auch er begründet den Atheismus nicht. Er entspringt mehr seinem WILLEN: "Wenn es einen Gott gäbe, wie ertrüge ich, nicht dieser Gott zu sein." Das grenzt an Selbstüberschätzung.

Auch Nietzsche hat das Christentum in einer Sonderform kennen gelernt: frömmelnd, ... Dagegen wendet er sich (zu Recht!). Aber so wendet sich seine Kritik "nur" gegen ein Missverständnis der christlichen Gottesvorstellung.

Ganz negativ betrachte ich (!) die Ansätze, das Vorrecht des Stärkeren an die Stelle der Nächstenliebe zu setzen: eine grausame Gesellschaft der Übermenschen.

Damit ist er - wenn auch nicht verantwortlich - ein Wegbereiter des Herrenmenschen im Nationalsozialismus.

5. Sartre :

Der Atheismus Sartres ist stark durch negative religiöse Erlebnisse bestimmt. So schreibt Sartre in der Autobiographie „Les mots“, dass er als Kind mit Streichhölzern gespielt und dadurch einen kleinen Teppich versengt habe. Da hatte er das Gefühl, dass Gott ihn ansah. Sartre wurde wütend, fluchte ...: „Gott sah mich seitdem nie wieder an.“

Damit wendet er sich zurecht gegen den „Aufpassergott“, wie er ihn erfahren hatte. Zugleich ist dieses Gottesbild aber nicht das christliche, auch wenn es manchmal den Anschein haben sollte.

Der Gott der Bibel ist der befreiende Gott: Exodus: Befreiung aus Ägypten; Propheten: Befreiung von Ungerechtigkeit; Jesus: Befreiung von aller Schuld. Damit stellen Gott und Freiheit kein Widerspruch dar.

Gerade der Gottesglaube ermöglicht es, gegen jede Willkür die Freiheit des Menschen zu bewahren, indem er die menschliche. Würde betont, die gegen jede Art von Unmenschlichkeit eingefordert werden muss.

Meine These, die zur Disposition gestellt werden kann: Damit besteht für Sartres Atheismus kein Grund, im Gegenteil: Im Namen der Freiheit setzen wir auf Gott!

 
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